VEREIN ZUR FÖRDERUNG DER SEELISCHEN GESUNDHEIT IM ALTER
VEREIN ZUR FÖRDERUNG DER SEELISCHEN GESUNDHEIT IM ALTER

Eine  ganz persönliche Frage zum Anfang: 
 

„Haben Sie sich schon einmal geschämt? Kennen Sie das Gefühl der Scham?“ 
 

Das Gefühl der Scham ist ein ganz entscheidendes, wenn es um die Gesundheit oder 
eben um die fehlende Gesundheit unserer Seele geht. 

Warum schäme ich mich? Vielleicht können Sie sich noch an Ihre Jugend, an die 
Pubertät erinnern, an Situationen, in denen man die eigenen Eltern als so unmodern oder 
gar „spießig“ erlebte. Kennen Sie solche Situationen? Dann hat man sich geschämt für 
diese Eltern, die so altmodisch sind oder die einem zur Begrüßung völlig uncool einen 
Kuss auf die Wange gaben…. 
 

Ich schäme mich für etwas, weil der andere nicht so ist, wie es vielleicht meinen Normen, 
den Normen der Gruppe, meiner Klassenkameraden, meiner auch pubertierenden 
Freunde entspricht. Das geht Gott sei Dank vorüber. 

Wenn Partner oder Eltern beim Älter- und Altwerden an einer seelischen Erkrankung 
leiden (sei es eine Depression, sei es eine Demenz), bedeutet dies auch, jemanden in 
der Familie zu haben, der irgendeiner Norm nicht entspricht. Eine wichtige Norm aber 
unserer Gesellschaft lautet dabei: wir haben alles im Griff, wir haben alles unter Kontrolle 
und wir brauchen keine Hilfe, weil wir alles alleine können.

Eine psychische Erkrankung zeigt den Betroffenen und ihren Angehörigen mit 
erbarmungsloser Hartnäckigkeit auf, nicht alles im Griff zu haben: 
Einfache Dinge, wie das morgendliche Aufstehen, das immer unkomplizierte 
Funktionieren, das Schuhe-zu-binden, die eigene Wohnung wiederzufinden, ein Auto 
fahren zu können. Dann erlebe ich als Angehörige, dass mein Partner, meine Partnerin, 
meine Ehefrau, mein Elternteil, ein Schwiegerelternteil einer gesellschaftlichen Norm 
nicht genügen und dann schäme ich mich.
Dies ist ein entscheidender Grund, dass auch heute noch psychische Erkrankungen - noch dazu im Alter - weitgehend ein tabuisiertes Thema in unsere Gesellschaft darstellen und somit Angehörige aus ganz verständlichen Gründen häufig versuchen, diese Erkrankung „in den eigenen vier Wänden“ zu verstecken:
Weil Scham eines der am schwersten auszuhaltende menschliche Gefühl ist. 
 

SEGA e.V. hat sich als zur Aufgabe gemacht, diese Tabus aufzulösen - durch Aufklärung 
und Unterstützung der Betroffenen und ihrer Familien dafür zu sorgen, dass auch 
seelische Erkrankungen im Alter ihren Platz (und damit Verständnis und Respekt) in der 
Mitte der Gesellschaft finden. Gleichzeitig ist es ebenso ein Anliegen, aufzuzeigen, dass 
Alt-Sein und seelische Gesundheit kein Ausnahmezustand sind - sondern der 
überwiegende Regelfall im Alter. 
 

Gerade letzteres halte ich für besonders wichtig, da ich immer wieder mit der negativen 
Sicht auf „die Alten“ konfrontiert werde. Aber „senil“ heißt erst einmal nichts anderes als 
„hochbetagt“. Die Pathologisierung findet in unseren Köpfen statt. Und da wir alle 
hoffentlich älter und alt werden, gilt es gegen die Tabuisierungen und krankmachenden 
Vorurteile anzugehen. 


Genauso, wie SEGA e.V. es tut
– und ganz im Sinne der eigenen  seelischen Gesundheit beim Älterwerden. 

Sabine Tschainer-Zangl
Fürsprecher Sabine Tschainer-Zangl.pdf
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